Ein Überblick über die Begrifflichkeiten “Verfahren“, “Methoden“ und “Tools“ im Rahmen von Coaching-Diskussionen:

Coaching, was ist das überhaupt und wie genau lässt sich dieser Begriff und die damit einhergehenden Begrifflichkeiten überhaupt einordnen?
Mal hört man die Diskussion über angewandte Verfahren im Coaching, ein anderes Mal vernimmt man Aussagen über diverse Coaching-Tools, wiederum ein anderes Mal wird von Coaching Methoden gesprochen.

Um das Wirrwarr ein wenig zu lichten möchte ich nachfolgend die wesentlichen Abstufungen, also die hierarchische Einordnung der Begrifflichkeiten kurz skizzieren.
Dabei orientiere ich mich an einer sehr schönen Übersicht von Dr. Björn Migge, die auf einer seit 2008 in der Coaching Szene anerkannten Hierarchisierung von Prof. Dr. Ferdinand Bauer basiert
(Siehe hierzu auch: Handbuch Business Coaching, Dr. Björn Migge)

1. Coaching als Beratungsform:
Unter Coaching versteht man im weiteren Sinne eine Form der Beratung.
(Anmerkung: Dies ist keine klassische Definition im engeren Sinne, sondern dient der Einordnung der Begrifflichkeit in die übergeordnete Hierarchieebene)
Coaching reiht sich damit in eine ganze Reihe an benachbarten Beratungsdisziplinen ein, wie zum Beispiel auch die Psychotherapie oder aber die Seelsorge, die Sozialberatung oder auch die Supervision.

2. Coaching-Verfahren:
Innerhalb dieser Beratungsform Coaching existieren wiederum zahlreiche Verfahren – oder anders gesprochen zahlreiche etablierte Schulen, die teils sehr unterschiedlich sind, teils aber auch aufeinander aufbauen oder sich parallel recht ähnlich entwickelt haben.
Sehr bekannte Verfahren innerhalb des Coaching Formates sind zum Beispiel das ‚
’Neurolinguistische Programmieren’ (NLP) sowie das Systemische- bzw. Lösungsorientierte Verfahren.
An dieser Stelle ist es wichtig anzumerken, dass sich erfahrene Coaches in der Regel auch Verfahren aus anderen Formaten bedienen bzw. bedienen können sollten.
So gehört beispielsweise das Verfahren ’Hypnotherapie’, ’Psychodrama’, ’Familientherapie’ und auch die ’Gestalttherapie’ etc. zu wichtigen nennenswerten Verfahren, deren Kenntnis als Grundlagen für ein umfassendes Coaching einem guten Coach zur Verfügung stehen sollten.
Verfahren, die noch nicht ausreichend theoretisch als auch praktisch erprobt sind, stehen sozusagen auf der Schwelle zwischen ’Methode’ und ’Verfahren’. Dies war lange Zeit für das Verfahren NLP der Fall.

3. Coaching-Methoden:
Betrachtet man die verschiedenen Verfahren, so lassen sich darin wiederum vielfältige praxisbezogene Methoden bzw. Vorgehensweisen erkennen.
Zu den einschlägigen Methoden innerhalb der existierenden Coaching-Verfahren gehören u.a. Zielklärungs-Methoden, Methoden der Werteanalysen, Methoden der Systemvisualisierungen sowie Methoden der Konfrontation und viele andere.
Aber auch Methoden wie das ’Tauschen & Doppeln’ aus dem Verfahren des Psychodramas sowie die Methode des ’sokratischen Dialoges’ aus dem Verfahren der Kognitiven Gestalttherapie sind oftmals ganz wesentliche Bestandteile eines umfassend aufgesetzten Interventionsprozesses im Rahmen eines Coachings.

Bei der Anwendung von Methoden ist es besonders wichtig, dass der ausübende Coach nicht bloß eine Methode in ihrer Vorgehensweise kennt und diese dann anwendet, sondern dass der Coach auch mit dem dahinterliegenden, übergeordneten Verfahren, aus deren Feder diese Methode stammt, hinreichend vertraut ist.
Ist dies nicht der Fall und kennt der Coach die dahinterliegende Schule und somit deren Bedeutung nicht im tieferen Sinne, läuft der Coach Gefahr, die Intervention nicht entsprechend auswerten zu können bzw. verstört u.U. sogar seinen Klienten, da dieser
die fehlende Reflektionsmöglichkeit des Coaches spürt.

Es ist unabdingbar deshalb intensiv darauf zu achten, dass der ausübende Coach auch einen fundierten Überblick über die bekannten Verfahren hat, aus denen er sich der einzelnen Methoden bedient.

4. Coaching Tools:
Sobald wir eine Methode benutzen, die sich nicht aus einem Verfahren ableiten lässt bzw. die noch nicht einer Schule zuzuordnen ist und evtl. auch noch nicht hinreichend wissenschaftlich in Ihrer Bedeutung geklärt ist, so reden wir nun von einem ’Tool’.
Tools gibt es zahlreiche und die Intervention auf dieser reinen ’Tool-Ebene’ (wie man sie sich aus sog. Coaching Tool Handbüchern anlesen kann) kann in einigen Standard-Fällen auch sogar hilfreich für den Klienten sein, doch birgt dies ebenfalls das Risiko Ergebnisse der durchgeführten Intervention(en) nicht abfangen bzw. richtig interpretieren zu können und ggf. dadurch sogar dem Klienten zu schaden.

Anmerkung:
Die Einordnung ist wie jede Einordnung nur ein Hilfsmittel und nicht jede Intervention kann stoisch daraus abgeleitet werden bzw. fügt sich in diese Hierarchie mühelos ein.
So ist es Laufe der Jahre selbstverständlich, dass ein erfahrener Coach sich auch Tools, Kniffen und Empfehlungen bzw. seiner eigenen Erfahrungswerte bedient, die durchaus Ihre Berechtigung haben und den Klienten bei seinem Anliegen auch nachhaltig stützen können.