Warum das Wissen über das Unbewusstsein bei gewünschten Veränderungen so wichtig ist (Teil 2)

Letzte Woche habe ich darüber berichtet, wie sehr unser Unbewusstes in unser aktives Verhalten eingreift und dieses stellenweise sogar steuert.

In dieser Woche möchte ich Ihnen einen Einblick geben, wie auch unser Unbewusstes unseren Umgang und unser Verhalten gegenüber anderen Menschen nachhaltig beeinflusst.
Zudem gebe ich Ihnen Ausblick dahingehend, dass wir niemals in unseren Mustern und daraus resultierenden Verhaltensweisen gefangen sind, sondern dass wir diese stets - u.a. begleitend durch Bewusstmachung des Unbewussten - verändern können.

Ganz viele unsere heutigen Eigenschaften und Verhaltensweisen beruhen, wie seit letzter Woche wissen, auf alten Erfahrungen in unserer Kindheit und Jugend.

Ähnlich verhält es sich auch mit der Wahl der Menschen, mit denen wir uns umgeben. Wir ziehen in der Regel Männer bzw. Frauen an, die ähnlich oder genau das Gegenteil unserer frühen Konditionierung sind. Je nachdem ob ein Miteinander positiv oder negativ im Unbewusstsein bei uns verankert ist.

Lernen wir jemanden kennen, so gleichen wir blitzschnell unbewusst die Signale dieses Menschen mit Signalen alter Bekanntschaften ab und begegnen den neuen Menschen basierend auf eines Positiv- oder Negativfeedbacks unsers Unbewussteins.

Hier ein Beispiel um anschaulich zu zeigen, dass das Unbewusstein sozusagen auch um die Ecke denken kann:

Nervt es Sie z.B. an Ihrem Freund bzw. Arbeitskollegen, dass dieser immer zu spät kommt?

In Ihrer Kindheit haben Sie evtl. gelernt, dass Unpünktlichkeit ein Zeichen mangelnden Respekts ist.
Kommt nun Ihr Bekannter zu spät, gleicht Ihr Unbewusstein dieses Zuspätkommen mit alten Verknüpfungen ab und hinterlässt das Gefühl von Disrespekt.

Fakt ist: Ihr gegenüber hat evtl. andere Erfahrungen in seiner Kindheit gemacht. Respekt zollt dieser ausschließlich mit Worten und zu spät zu kommen ist für Ihn ein Kavaliersdelikt, da alle Menschen die er je achtete und bewunderte (Mutter, Vater etc) stets unpünktlich waren - aber dennoch halt nicht minder liebenswert in seinem Bewertungsmuster. Zuspätkommen steht für ihn folglich in keinem Zusammenhang mit der Thematik Respekt.

Stossen Sie nun beide aufeinander, so ist der Start dieser Beziehung erschwert, wenn Sie sich nicht bewusst machen, ob es ein tatsächlich bewusst wahrnehmbar mangelnder Respekt ist oder ein unbewusst nicht zu begründetes Gefühl basierend auf eigenen Konditionierungen in Ihrer Kindheit und damit verbundenen Glaubensätzen.

Zweites Beispiel:
Lautet ein erlernter Glaubenssatz aus der Kindheit, der unbewusst zugegen ist: „Als Führungskraft Vater muss man hart sein. Gefühle gehören nicht gezeigt“, so werden Sie ein passendes Verhaltensmuster an den Tag legen.
Ebenso werden Sie sich unbewusst nur solche Chefs und Lebenspartner suchen, die diesem vertrauten Muster entsprechen.
Anders herum, wird es Sie tendenziell stressen und irritieren, wenn eine Person, die Sie mit einer Respekt-Rolle in Verbindung bringen, plötzlich vor Ihren Augen in Tränen ausbricht.

Ein Beispiel für meine männlichen Leser: Haben sie vorgelebt und gesagt bekommen: „Für eine gute Mutter kommen erst die Kinder und dann Ihre eigenen Bedürfnisse“, so werden Sie sich eher schwer damit tun, Respekt vor der Mutterrolle Ihrer weiblichen Führungskraft zu haben bzw. sich generell mit einer Frau als Führungskraft schwer tun.

Was heißt das aber alles nun?
Es heißt schlicht und ergreifend, dass Sie sich bewusst machen sollen, warum ggf. Menschen auf Sie wirken wie Sie wirken und vor allem, dass dies ganz viel mit Ihnen zu tun hat und mit dem, was Sie unbewusst als richtig oder falsch abgleichen.

Was heißt das noch?

Wir sind nicht in unseren Mustern und mit unseren erlernten Glaubensätzen gefangen.
Wir können diese genauso ablegen, wie wir sie einst angenommen haben und mit brauchbareren und uns glücklicher stimmenden Glaubensätzen und Verhaltensmustern ersetzen.

Haben wir als Frau schon als Tochter einer hart arbeitenden erfolgreichen Mutter gelernt, dass eine Frau ‚tough’ sein muss, um erfolgreich zu sein, dass Haushalt und Kinder nur etwas für Frauen sind, die sich ansonsten beruflich nichts zutrauen – so fühlen wir uns als Mutter von Zwillingen, deren Halbtagsstelle gerade gestrichen wurde, nicht unbedingt zufrieden und glücklich.
Ein verständliches Dilemma, dem es Abhilfe zu schaffen gilt!

Ebenso so schlecht müssen sich Männer fühlen, die immer harte, emotionslose männliche prägende Vorbilder, wie den eigenen Vater oder den ersten Vorgesetzten hatten – die aber nun feststellen, dass sie selbst als harter, die Emotionen nicht zeigender Chef nicht beliebt sind und anders als gedacht, mit diesem Führungsverhalten und Bild von Führung, in diesem Unternehmen auch nicht erfolgreich werden.

Lernen wir aber an dieser Stelle, dass dieser unbewusste Abgleich und das daraus resultierende schlechte Gefühl von früher bzw. von unserem Unbewussten stammt und heute ggf. an Richtigkeit und Maßstab verloren hat, so können wir uns heute gezielt hinsetzen und uns einen neuen Abgleich schaffen, der uns positiver und glücklicher stimmt.

Es geht also darum, sich eine neue Basis und ggf. einen neuen Glaubensatz für diesen unbewusst stattfindenden Abgleich zu schaffen. Dieses neue Verhaltens- und Denkmuster, basierend auf neu gebildeten und passenderen Glaubenssätzen, darf dann so lange trainiert werden, bis es wiederum unbewusst aber diesmal zum richtigen Gefühl führt.

Viel Spaß beim Üben!

Herzlichst Ihre Alexandra Kröger
Powerful Minds – Business- & Personal Coaching München